Fotografie: Jean Luc Valentin

Erinnerungen an eine Begegnung in Berlin

Ich selbst erinnere mich, als 17 jähriges Mädchen Carlo Mierendorff, von dem zu Hause so oft gesprochen wurde,  ein einziges Mal persönlich erlebt zu haben: Mein Vater wollte unbedingt, dass ich noch vor der seines Erachtens unausweichlichen Zerstörung Berlins die Stadt in ihrer alten Verfassung kennen lernte. Er organisierte eine Reise dorthin. Carlo Mierendorff kam ins Hotel, uns zu besuchen. Bei der Gelegenheit hat er meinem Vater seinen von den Striemen der KZ-Wächter gezeichneten Rücken gezeigt.

Als Mierendorff in Leipzig einem Bombenangriff zum Opfer fiel und Haubach in Darmstadt für ihn eine Gedenkfeier organisierte, geriet mein Vater in schwerste Skrupel, ob er teilnehmen sollte oder nicht. Dass die Gestapo den Vorgang beobachten und Folgerungen ziehen würde, war klar. War es feige oder klug, nicht hinzugehen. Er entschied sich für letzteres. Mierendorff würde seine Teilnahme nichts mehr genutzt haben. 

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